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Kann ich mir meinen Resturlaub auszahlen lassen? Das ist zu beachten!


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Es gibt eine Vielzahl von Gründen, durch die Arbeitnehmer:innen nicht dazu kommen ihren jährlichen Urlaubsanspruch vor dem Jahreswechsel wahrzunehmen. Hohe Arbeitsbelastung oder eine frühzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses sind nur zwei von vielen Beispielen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit den nicht wahrgenommenen Urlaubstagen (Resturlaub) umzugehen. Ob eine Auszahlung der verbleibenden Urlaubstage oder das Mitnehmen des Resturlaubs ins nächste Betriebsjahr möglich ist, erklären wir in diesem Artikel.

Kann man sich den Resturlaub auszahlen lassen?

Schauen wir uns zunächst folgendes Szenario: Der Urlaub konnte nicht vollständig wahrgenommen werden und das Ende des Jahres steht bevor. Die grundsätzliche Regel: Nicht genommene Urlaubstage können vom Arbeitgeber nicht ausgezahlt werden. Denn der Sinn und Zweck des Urlaubsanspruches ist, dass die Arbeitskraft und Motivation erhalten wird. Besonders wenn es um die Vorbeugung von Überlastungen bzw. Burnouts geht, ist die Inanspruchnahme der Urlaubstage von großer Bedeutung.

Resturlaub auszahlen – nur im Sonderfall

Es gibt eine Situation, in der die Auszahlung des Resturlaubs möglich ist: Nämlich Im Falle eines Aufhebungsvertrages mit sofortiger Wirksamkeit oder einer fristlosen Kündigung. Denn durch die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist die Inanspruchnahme der restlichen Urlaubstage de facto nicht mehr möglich. Ein weiterer Sonderfall für eine Auszahlung besteht, wenn der Vorsitzende eines bestehenden Arbeitsverhältnisses den Urlaub nicht gewähren kann, weil die Person unverzichtbar für den Betrieb ist oder weil es eine Überlastung gibt.

Wie berechnet man die Urlaubsabgeltung?

Die Urlaubsabgeltung für den Resturlaub zu berechnen ist schnell gemacht. Das Fundament dieser Berechnung setzt sich aus zwei Aspekten zusammen. Zum einen ist es notwendig zu wissen, wie viele Urlaubstage insgesamt pro Jahr vorhanden und wie viele Tage noch offen sind. Ein Urlaubstag entspricht dabei dem Wert eines Arbeitstages, sprich das Entgelt für einen Urlaubstag entspricht dem durchschnittlichen Verdienst eines Werktages. Als Referenz für die Berechnung werden die letzten 13 Wochen herangezogen. Dabei wird wie folgt vorgegangen:

  1. Berechnung des Quartalsgehalts.
  2. Um das Monatsgehalt zu ermitteln, wird das Quartalsgehalt durch drei geteilt.
  3. Um das Wochengehalt zu ermitteln wird das Monatsgehalt durch 4 geteilt.
  4. Das Wochengehalt wird nun durch fünf geteilt, um das Tagesgehalt zu erhalten.
  5. Das Tagesgehalt wird mit der Anzahl der auszuzahlenden Tage des Resturlaubs multipliziert. Et voilà!

Was nun tun bei offenen Urlaubstagen?

Ob Resturlaub mit in das nächste Jahr genommen werden kann und wie viele Tage hier zugelassen sind, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Denn laut Gesetz verfällt der Urlaubsanspruch mit dem 31. Dezember. Unter bestimmten Bedingungen können allerdings trotzdem Urlaubstage in das neue Jahr mitgenommen werden:

  • Vertragliche Regelung: Im Vertrag des Arbeitsverhältnisses wurde inkludiert, dass der Resturlaub in das Folgejahr übertragen werden kann.
  • Verpasster Hinweis: Der Arbeitgeber hat den pflichtgemäßen Hinweis auf den verbleibenden Urlaub des Arbeitnehmers verpasst.
  • Krankheitsfälle: Aufgrund einer langwierigen Erkrankung war der Arbeitnehmer nicht dazu in der Lage, den Urlaubsanspruch vollständig wahrzunehmen.
  • Vom Arbeitgeber ausgehende Verbindlichkeiten: Aufgrund von ausschlaggebenden Ereignissen wie Kundenkampagnen wurde durch den Arbeitgeber eine Urlaubssperre verordnet.

Wann verfällt der Anspruch auf Resturlaub?

Auch bei Mitnahme in das neue Jahr muss der Resturlaub in den ersten drei Monaten des neuen Jahres, also spätestens bis zum 31. März, wahrgenommen werden. Nur in sehr seltenen Fällen kann der Resturlaub über diese Grenze hinaus wahrgenommen werden. Der Arbeitnehmer muss sich in diesen Fällen mit dem Arbeitgeber auf eine Verlängerung der Frist einigen, wenn diese nicht bereits vertraglich festgehalten wurde.

Was bedeutet die Mitnahme von Resturlaub für Arbeitgeber?

Im Falle von nicht in Anspruch genommenen Urlaubstagen innerhalb eines Jahres sind Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, die Anzahl dieser nicht genommenen Urlaubstage zu erfassen und in die Bilanz aufzunehmen. Denn die Kosten fallen zwar im Folgejahr an, gehören aber faktisch zu der Buchhaltung des vergangenen Jahres. Diese Differenz gilt es festzuhalten.

Ausgehend von dem Urlaubsentgelt der jeweiligen Arbeitnehmenden und der Anzahl an Resturlaubstagen wird hier also eine Urlaubsrückstellung berechnet. Für bzw. gegen eine solche Rückstellung sprechen verschiedene Faktoren. Beispielsweise kann der Arbeitgeber in einem Jahr, in dem viel Gewinn erzielt wurde, diesen durch Rückstellungen senken. Dies hätte eine geringere Steuerlast zur Folge.