Gesetzlicher Urlaubsanspruch? 20 Tage, 26 Tage oder doch 30 Tage Urlaub? Wie viele Urlaubstage Angestellten*innen zustehen, regeln der Tarif- oder der Arbeitsvertrag. Das Bundesurlaubsgesetz legt allerdings Untergrenzen fest. Jedem Arbeitnehmer mit einer Fünftagewoche stehen pro Jahr mindestens 20 Tage bezahlter Erholungsurlaubs zu. Bei einer Sechstagewoche sind es mindestens 24 Urlaubstage. Das entspricht jeweils einem gesetzlichen Anspruch auf vier Wochen bezahlten Urlaubs. Der Anspruch auf bezahlten Urlaub entsteht ab einer sechsmonatigen Betriebszugehörigkeit.

Gesetzlicher Urlaubsanspruch
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Urlaubsberechnung beim Wechsel zwischen Voll- und Teilzeit

Für Teilzeitangestellte gelten grundsätzlich die gleichen Rechte wie für Vollzeitkräfte. Wie viele Urlaubstage ihnen zustehen, hängt von der regelmäßigen Verteilung der Arbeitszeiten ab.

Berechnung des Urlaubsanspruchs

Den Urlaubsanspruch berechnen ist einfach. Wird die Wochenstundenzahl an fünf bzw. sechs Tagen in der Woche erbracht, so stehen der Teilzeitkraft 20 bzw. 24 Urlaubstage zu – ebenso viele wie der Vollzeitkraft. Erbringt der oder die Teilzeitangestellte die Wochenarbeitszeit an zwei oder drei Tagen, reduziert sich die Zahl der Urlaubstage entsprechend.

Beispiel: Herr Klausens arbeitet 30 Stunden an 5 Tagen die Woche. Er hat 30 Tage Urlaub. Ab dem kommenden Jahr möchte er die 30 Stunden auf 4 Tage verteilen. Damit reduziert sich sein Urlaubsanspruch auf 24 Tage.

Berechnung des Urlaubsanspruchs bei Teilzeit
Formel zur Berechnung des Urlaubsanspruchs bei Teilzeit

Wie bei Vollzeitangestellten gilt auch für Teilzeitkräfte die Regel, dass sie volle vier Wochen bezahlten Urlaub nehmen können.

Liste von Tools zur Berechnung

Um den Urlaubsanspruch bei Teilzeit zu berechnen, gibt es im Internet auch praktische Tools. Hier müssen nur die Rahmendaten eingegeben werden.

  • www.finanzfluss.de/rechner/urlaubsrechner/
  • www.schnelle-online.info/Urlaubstage-berechnen.html
  • urlaubsrechner.lohn-ag.de/index.html
  • www.shiftjuggler.com/de/urlaubsrechner/
  • www.hilfreiche-tools.de/urlaubsrechner/

Kann Resturlaub ins Folgejahr übertragen werden?

Ein Übertrag des Resturlaubs in das Folgejahr ist grundsätzlich nicht vorgesehen. Schließlich dient der gesetzliche Urlaubsanspruch dazu, dass Arbeitnehmer*innen sich regelmäßig erholen können. Es gibt persönliche oder betriebliche Umstände, die es den Mitarbeiter*innen nicht ermöglichen, seinen Urlaubsanspruch im laufenden Jahr geltend zu machen. So beispielsweise bei einer lang andauernden Krankheit. In diesem Fall kann der Resturlaub ins Folgejahr übernommen und bis spätestens 31. März in Anspruch genommen werden. Sofern keine Sonderregelungen mit dem Arbeitgeber ausgehandelt ist, verfällt der Urlaub.

Kann der Urlaubsanspruch verfallen?

Bevor Urlaubsanspruch verfällt, muss der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer*innen ausdrücklich darauf hingewiesen haben. Ohne diese Aufforderung seitens des Arbeitgebers kann der Urlaubsanspruch nicht verfallen.

Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer*innen ausdrücklich auf den drohenden Verfall des Urlaubsanspruchs hinweisen. Stellt diese dennoch keinen Urlaubsantrag, kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass freiwillig und bewusst auf den Urlaubsanspruch verzichtet wird. In diesem Fall verfällt dann der gesetzliche Urlaubsanspruch.

Urlaubsanspruch bei Kündigung

Liegt ein gekündigtes Arbeitsverhältnis vor, so besteht ein anteiliger Urlaubsanspruch im ersten Halbjahr und ein voller Anspruch ab dem zweiten Halbjahr. Im besten Falle wird der offene Urlaubsanspruch noch vor dem letzten Arbeitstag genommen. Sollte es nicht möglich sein, kann mit dem Arbeitgeber eine Auszahlung der restlichen Urlaubstage vereinbart werden.

Kündigung bis einschließlich 30. Juni

Tritt eine Kündigung noch vor dem 1. Juli eines Jahres ein, ist eine Berechnung anteilig des Urlaubsanspruches vorzunehmen. So hat Herr Mustermann zum 30 April gekündigt. Er hat einen gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 20 Tagen für das gesamte Jahr. Das bedeutet sein Arbeitsverhältnis ist vom 01.01. bis zum 30.04. in dem Jahr, somit 4 volle Monate. Um den Urlaubsanspruch zu berechnen, nutzt folgende Formel:

4 Monate / 12 Monate x 20 gesetzliche Urlaubstage = 6,67 Urlaubstage

Damit stehen Herr Mustermann in diesem Jahr 6,67 Urlaubstage zur Verfügung. Urlaubstage nicht abrunden.

Kündigung nach dem 30. Juni

Anders sieht der Fall aus, wenn Arbeitnehmer*innen vom ersten Januar im Arbeitsverhältnis standen und erst nach dem 30. Juni eine Kündigung vorliegt. Hier kann der volle Urlaubsanspruch genommen werden.

Gesetzlicher Urlaubsanspruch bei Kurzarbeit

Ob der Urlaubsanspruch bei Kurzarbeit anteilig zu reduzieren ist? Diese Frage hat seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich an Relevanz gewonnen. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat mit dem Urteil vom 12. 03. 2021 (6 Sa 824/20) entschieden, dass unter Umständen der Urlaubsanspruch während der Kurzarbeit gekürzt werden kann.

Kurzarbeit Null

An arbeitsfreien Tagen kann auch kein Urlaubsanspruch entstehen. Das bedeutet, dass sich die Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage und damit auch „automatisch“ die Höhe des Urlaubsanspruchs reduziert.

Beispiel: Wenn ein ganzer Monat Kurzarbeit angeordnet ist, verringert sich der Urlaubsanspruch des laufenden Kalenderjahres um 1/12. So reduziert sich bei Arbeitnehmer*innen, die beispielsweise 30 Urlaubstagen vertraglich festgesetzt haben, der Urlaubsanspruch um 2,5 Tage.

Kurzarbeit – teilweise Ausfall der Arbeitszeit

  • Kurzarbeit Null + normale Arbeitstage: Sind in einem Monat ganze arbeitsfreie Tage angeordnet, während an anderen Tagen des gleichen Monats normal Arbeit stattfindet, entfällt der Urlaub anteilig. Es können nur die Tage des Monats betrachtet werden, an denen nicht gearbeitet wird. Beispiel: 10 von 20 Arbeitstagen sind 100% Kurzarbeit. Bei einer 5-Tage-Woche und 24 Arbeitstagen Urlaubsanspruch, kürzt sich der Urlaub um 1 Tag.
  • Gekürzte tägliche Arbeitszeit: Wenn eine Arbeitszeitkürzung von 50% vorliegt, sind nur 4 Stunden zu arbeiten bei einem normalen 8-Stunden Tag. In diesem Fall erfolgt keine Urlaubskürzung. Ebenso findet keine Kürzung des Urlaubsentgeltes statt. Das Gesetz sieht vor, dass die Berechnung des Urlaubsentgeltes erfolgt, so als liegt keine Kurzarbeit vor.

Urlaubsanspruch bei Elternzeit

Für jeden vollen Monat, den sich der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin in Elternzeit befindet, kann sich sein oder ihr Urlaubsanspruch um ein Zwölftel reduziert. Das wird im § 17 Abs. 1 des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz – BEEG geregelt.

Betrifft die Elternzeit nur einen Teil eines Kalendermonats, findet für diesen Monat keine Reduzierung des Urlaubsanspruches statt. Das bedeutet, der Resturlaub verfällt nicht während der Elternzeit. Er kann auf die Zeit nach der Elternzeit übertragen werden – unabhängig von den übrigen im Betrieb geltenden Regeln zum Verfall von Urlaubsanspruch.

Urlaubsanspruch bei Krankheit

Wer krank ist, muss von seiner Krankheit genesen. Das ist etwas Anderes als sich von der Berufstätigkeit zu erholen. Bei einer Krankheit verlängert sich deshalb der Urlaubsanspruch um die Erkrankungstage. Voraussetzung sind:

  • der „gelbe Schein“ vom Arzt, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
  • sowie die Krankmeldung beim Arbeitgeber

Es besteht ein gesetzliche Anspruch auf die Rückbuchung von Urlaubstagen als Resturlaub.

Erkranken Arbeitnehmer*innen während des Urlaubs, kann er oder sie aber nicht seine oder ihre Abwesenheit eigenmächtig um die Krankheitstage verlängern. Nach Ablauf des Urlaubs bzw. der Arbeitsunfähigkeit müssen die wegen Krankheit zurück gebuchten Urlaubstage gemeinsam mit dem Arbeitgeber neu festgelegt werden, wann sie zu nehmen sind.

Urlaubsanspruch in der Probezeit

Viele Angestellte gehen davon aus, dass für die Probezeit eine Art Urlaubssperre gelte. Seinen Urlaub erst nach Ablauf der Probezeit nehmen dürfe. Das stimmt jedoch nicht!

Für jeden vollen Monat der Betriebszugehörigkeit erwirbt der oder die Angestellte Anspruch auf ein Zwölftel seines oder ihres vollen Urlaubsanspruchs. Dieser anteilige Urlaubsanspruch kann während der Probezeit genommen werden. Nur die volle Anzahl an Urlaubstagen kann der oder die Angestellte erst nach Ablauf der Probezeit in Anspruch nehmen.

Urlaubsanspruch bei Renteneintritt

Für den Renteneintritt gelten ähnliche Regeln wie bei der Auflösung / Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Entscheidend ist der Tag des Renteneintritts.

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